Im Winter 2014/15 begann ich in der Lindenstrasse in Luzern, wo ich damals wohnte, zu zeichnen. Mit Bleistift, Kohle, Filzstift, China Marker, schwarzer Farbe, Farbstiften auf vorwiegend A4 und A3 Formate entstanden unterschiedliche Zeichnungen, wobei ich spontan auch meine Wahrnehmung reagierte und mit Strich, Flächen, Geschwindigkeit und Freiräumen experimentierte. Während dem Zeichnen in der Lindenstrasse begegneten mir immer wieder Menschen, welche aus verschiedenen Herkunftsländern stammen. Ich bat fünf Personen, mir Fotos ihrer Heimatorte zu geben, welche ich ergänzend zu den in der Lindenstrasse entstandenen Bildern zeichnete. Mit ihnen redete ich über die Fotos, ihre Heimatorte, und zeichnete die Gespräche auditiv auf.
Es entstand eine immer grössere Collage aus Originalen, Kopien auf Papier und auf Folien mit Motiven der Lindenstrasse sowie der Herkunftsländer der beteiligten Personen. Die Zeichnungen wurden überlagert und dadurch in ein Zusammenspiel gebracht. Durch ein im Raum installiertes altes Fenster, auf welchem Bilder (auf Folie) platziert waren, sowie durch die Projektion einer Zeichnung mit einem Hellraumprojektor wurde diese grossflächige Collage in der Ausstellungssituation zur Installation. Ein Tondokument bestehend aus Ausschnitten der Gespräche, die ich mit den beteiligten Personen über ihre Fotos geführt hatte, wurde über einen Lautsprecher abgespielt.
Installation Werkschau 2018, Luzern
sowie Jungkunst 2018, Winterthur
Gemeinsam mit dem Kunstschaffenden Benjamin Heller untersuchte ich die Frage «Wie gestalten wir Verbindungen zwischen Menschen?» Während drei Monaten schufen wir in einem ehemaligen Ladenlokal in der Lindenstrasse, wo wir auch wohnhaft waren, einen Begegnungs- und Diskussionsort. Die Lindenstrasse ist ein Quartier am Rand von Luzern, welches unterschiedliche Gewerbe und eine durchmischte Bevölkerung aufweist.
Durch die Heterogenität gibt es soziale und wirtschaftliche Gefälle und dementsprechend wenig Verbindungen zwischen den Anwohnenden.
Um unsere Fragestellung zu untersuchen organisierten wir Diskussionen mit Anwohner-innen und Akteur_innen des Quartieres. Dabei wurden für das Quartier kontroverse Themen des Zusammenlebens diskutiert und die Diskussionsteilnehmenden gezielt so eingeladen, dass ein Dialog unterschiedlicher Positionen entstand. Die insgesamt sieben Diskussionen behandelten die folgenden Themen: das Zusammenleben in einem Haus; die gemeinsame Quartierentwicklung; das Nebeneinander von Sexgewerbe und Anwohnerschaft; die Machtverhältnisse von Anwohnenden und Hausbesitzern; der Einfluss von Religionen auf das Zuammenleben sowie Regeln für das Zuammenleben.
Aufgrund dieses partizipativen Projektes entwickelte ich unabhängig von Benjamin Heller die Installation «Manchmal würde ich lieber ein bisschen weiter weg von dir wohnen».
Ich malte sechs Ölmalereien (bis zu 3,8 m Höhe bzw. Breite) auf Leinwand, welche von Farbskizzen aus der Lindenstrasse inspiriert sind. Die Skizzen zeigen Orte, an denen sich Menschen treffen oder treffen könnten. Die Gemälde bewegen sich in einem Spannungsfeld zwischen Konkretion und Abstraktion. In der Ausstellung platzierte ich die Malereien frei im Raum. Zusammen mit Audioaufnahmen, welche ich dem Betrachtenden mittels Kopfhörer zugänglich machte, entstand eine begehbare Installation. Die Audioaufnehmen bestehen aus Gesprächsausschnitten, in welchen einzelne Personen Aussagen zum Zusammenleben machen. Ich verwendete das Gespräch über Regeln des Zusammenlebens, die Diskussion darüber, wie die Strasse gemeinsam entwickelt werden soll sowie diejenige über Machtverhältnisse in der Strasse.
Die Betrachterin kann von verschiedenen Seiten zur Installation gelangen. Die Gemälde stehen in unterschiedlichen Abständen und Winkeln zueinander. Von keinem Standort aus kann der Betrachter alle Bilder sehen. Die architektonischen Elemente der Gemälde verbinden sich mit dem neuen Kontext der Messehalle Luzern bzw. der Halle 710 in Winterthur. Die Installation, welche auf räumlicher, bildlicher und inhaltlicher Ebene spielt, wird durch die Partizipation der Betrachtenden vervollständigt.























